Der Fahrkartenkauf wird zunehmend digital. Trotzdem ist es bis heute schwierig, grenzüberschreitende Bahnreisen zu buchen, weil jede Bahn eigene Systeme und Datensätze nutzt. Ein neuer Standard, das „Open Sales and Distribution Model“ (OSDM), soll das ändern. Im Mai 2025 kündigte die Deutsche Bahn an, ab Herbst 2025 OSDM zu integrieren, um den europaweiten Fahrkartenkauf zu vereinfachen.
Was ist das Open Sales and Distribution Model?
OSDM ist ein von der Branchenvereinigung UIC entwickelter Standard, der Datenstrukturen für den Verkauf und die Distribution von Bahntickets harmonisiert. Bisher mussten Reisende und Reisebüros auf separate Buchungsportale zugreifen, um Zugverbindungen verschiedener Bahnen zu kombinieren. Mit OSDM können Eisenbahnunternehmen ihre Tarife und Platzkontingente über eine gemeinsame Schnittstelle bereitstellen, so dass eine App – zum Beispiel der DB Navigator – international gültige Tickets anzeigen und buchen kann.
Neue Funktionen im DB Navigator
Im ersten Halbjahr 2025 hat die Deutsche Bahn ihre Buchungsplattformen weiterentwickelt und den DB Navigator um praktische Funktionen ergänzt: Bei der Verbindungssuche wird das Deutschlandticket nun automatisch berücksichtigt und bei Bedarf als Fahrkarte vorgeschlagen. Fahrgäste können zudem digitale Fahrpläne („digitaler Fahrplan“) einsehen, mit denen Lokführerinnen und Lokführern fahrplanrelevante Informationen aus einer zentralen Datenquelle abrufen. Laut DB wird die OSDM‑Schnittstelle im Herbst 2025 in die Apps integriert, sodass bald auch internationale Tickets zum Beispiel für Fahrten in die Schweiz oder nach Frankreich direkt buchbar sind.
Welche Vorteile haben Fahrgäste?
Für Reisende bieten die Neuerungen große Vorteile: Die Buchung mehrteiliger Reisen wird übersichtlicher und preislich transparenter. Wer vom ICE nach Brüssel fährt und anschließend mit dem TGV nach Paris weiter möchte, kann künftig beide Tickets in einem Vorgang buchen und verwalten. Gleichermaßen regeln einheitliche Vorgaben die Fahrgastrechte bei Verspätungen und Anschlüssen: Auch wenn Tickets von verschiedenen Bahnen stammen, sollen künftig Umsteigeberechtigungen und Erstattungen transparenter sein.
Auch hinter den Kulissen schreitet die Digitalisierung voran: Das Projekt „digitaler Fahrplan“ liefert Lokführerinnen und Lokführern alle relevanten Fahrplandaten digital auf einem Tablet – ein wichtiger Schritt für effizientere Abläufe und höhere Pünktlichkeit.
– Wenn Sie ein Deutschlandticket besitzen oder überlegen, eines zu kaufen, lesen Sie unseren Beitrag über die Preiserhöhung auf 58 Euro und wie die Finanzierung geregelt werden soll.
– Informationen zur aktuellen Diskussion um eine Sitzplatzreservierungspflicht finden Sie in unserem Artikel „Reservierungsschock – kommt die Pflicht zur Sitzplatzreservierung?“.
– Für Sparfüchse lohnt sich außerdem ein Blick auf unsere Tipps zur Probe BahnCard, mit der Sie drei Monate lang sparen können.
Mit den offenen Standards und der Digitalisierung wird das europaweite Bahnfahren endlich einfacher. Für Fahrgäste und die Branche bedeutet das mehr Transparenz, weniger Stress und hoffentlich auch mehr Lust, den Zug zu nehmen.

