Halbstundentakt: 21 Städte im 30-Minuten-Takt
Ab dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2025 sollen erstmals 21 Großstädte im Halbstundentakt an den Fernverkehr angebunden sein. Laut Bahn wächst das Netz solcher Expressverbindungen von bisher knapp 900 Kilometern auf 2.300 Kilometer. Profiteure sind vor allem Nord–Süd-Achsen wie Hamburg–Hannover–Kassel und Ost–West-Verbindungen wie Erfurt–Halle–Berlin. Reisende können damit alle 30 Minuten einen Fernzug nehmen – allerdings nur auf stark nachgefragten Linien.
Sprinter-Offensive: neue schnelle Verbindungen
Mit 14 neuen ICE‑Sprinter-Fahrten will die DB den Nord–Süd-Verkehr beschleunigen. So soll die neue Sprinterlinie Berlin–Stuttgart über Nürnberg die beiden Metropolen in nur 4 Stunden 45 Minuten verbinden, was eine Rekordfahrzeit darstellt. Auch die Achsen Hamburg–Frankfurt und Berlin–München werden verdichtet. Sprinter halten nur in wenigen Bahnhöfen und ersparen Umwege – wer in kleineren Städten ein- oder aussteigen möchte, muss aber auf reguläre Züge ausweichen.
Europa wächst näher zusammen
DB kündigt über 40 neue oder verlängerte internationale Verbindungen in neun Länder an. Dazu gehören ein neuer EuroCity von Leipzig über Breslau nach Krakau, zusätzliche Züge in die Schweiz nach Zürich, Chur und Brig sowie eine Nachtverbindung Prag–Kopenhagen via Berlin und Hamburg (Start Mai 2026). Ab September 2026 soll es sogar eine Direktverbindung Köln–Antwerpen geben. Diese Offensive stärkt Europas Bahnnetz, dürfte aber auch zu mehr Engpässen auf deutschen Trassen führen.
Systematischer Fahrplan: gleiche Linien – weniger Vielfalt
Um Pünktlichkeit und Einfachheit zu steigern, vereinheitlicht die Bahn Start‑ und Endpunkte sowie eingesetzte Züge. Flügelzüge werden seltener; Linien sollen im Zweistundentakt identisch bedient werden. Das klingt sinnvoll, bedeutet aber Einschnitte: Einige bisherige Direktverbindungen wie Kiel–Berlin entfallen und werden durch Umstiegsvarianten ersetzt. Extrem schwach genutzte Angebote, etwa zwischen Leipzig und Nürnberg über Jena, werden von fünf auf zwei Fahrten pro Tag reduziert.
Neues Rollmaterial: ICE L und mehr Komfort
Mit dem Fahrplan 2026 feiert der neue ICE L Premiere. Die Züge haben stufenlosen Einstieg, familienfreundliche Abteile, moderne W‑Lan‑Technik und sollen zunächst zwischen Berlin und Köln verkehren. Ab Mai 2026 sind Einsätze nach Westerland (Sylt), Frankfurt und touristischen Zielen geplant. Auch ausländische Bahngesellschaften bringen neue Fahrzeuge, zum Beispiel TGVs und Eurostar‑Züge, ins deutsche Netz – was die Auswahl für Reisende erhöht.
Buchung & digitale Angebote
Fahrkarten für den neuen Fahrplan können ab dem 15. Oktober 2025 gebucht werden. Fernverkehrstickets sind dann bis zu zwölf Monate, grenzüberschreitende Fahrkarten sechs Monate im Voraus erhältlich. Dank des neuen OSDM‑Standards integriert DB Navigator künftig internationale Partner wie SNCF und Eurostar, sodass sich grenzüberschreitende Tickets einfacher buchen lassen. Unser Tipp: Wer zu Ferienzeiten oder großen Events reisen will, sollte frühzeitig buchen, denn Platzkontingente sind begrenzt.
Baustellen & Kritik: Wo es hakt
Die Euphorie über den Halbstundentakt wird durch Baustellen gedämpft: Die hochbelastete Strecke Hamburg–Berlin bleibt bis April 2026 vollständig gesperrt, was Umwege über Stendal bedeutet. Auch Bauarbeiten zwischen Hagen und Köln, Nürnberg und Passau sowie am rechten Rheinufer verlängern Reisezeiten deutlich. Zudem kritisieren Fahrgastverbände die Streichung mancher Direktverbindungen und warnen vor drohenden Preiserhöhungen. Ob das neue Konzept im Alltag überzeugt, wird sich zeigen.
Fazit
Der Fahrplan 2026 bietet viele Chancen: mehr Züge im Halbstundentakt, schnellere Sprinter, neue internationale Linien und komfortable ICE L. Gleichzeitig wird das Netz stärker standardisiert – auf Kosten einzelner Direktverbindungen. Reisende sollten die Neuerungen prüfen, sich über Bauarbeiten informieren und die Vorteile digitaler Buchungsangebote nutzen.

